Ein Kompass allein, ohne Plan, führt nicht zum Ziel

Veröffentlicht am 24.03.2025 in Allgemein

Die Stadtverordnetenversammlung beschloss am 15.11.2021 einstimmig: „Der Magistrat wird beauftragt zu prüfen, ob in Baunatal die nötigen Voraussetzungen gegeben sind, um an der Sicherheitsinitiative KOMPASS des Landes Hessen teilnehmen zu können. Parallel dazu soll in Kooperation und Abstimmung mit der örtlichen Polizei und dem Arbeitskreis Sicherheit der Stadt ausgelotet werden, wo vorrangig Handlungsbedarf besteht.“

Dass es nicht dazu kam, liegt an einem Luxus-Problem der Stadt Baunatal. Denn Kompass-Gemeinde kann man nur werden, wenn mindestens drei Bausteine (aus einem runden Dutzend) umgesetzt werden. Dabei gibt es auch Förderung des Landes Hessen. Doch die Stadt, die seit Jahrzehnten konsequent auf Vorbeugung gegen Straftaten setzt und entscheidend dafür gesorgt hat, dass das Polizeirevier mitten im Zentrum ist, hat die meisten davon bereits umgesetzt.

Im Arbeitskreis Sicherheit, in welchem Polizei und alle relevanten Gruppen vertreten sind, wurde über die Bewerbung an KOMPASS beraten. Bürgermeisterin Strube und Herr Polizeioberrat Hinn stellten sowohl den Ablauf eines Bewerbungsverfahrens für eine Teilnahme am Programm und vor allem, die bereits durchgeführten Präventionsmaßnahmen der Stadt Baunatal vor. Keine der bereits seit Jahren praktizierten Aktionen und Einrichtungen kann für das Programm anerkannt werden. Kosten hätten den Nutzen übertroffen. Der Arbeitskreis hat anschließend die Empfehlung ausgesprochen, keine Bewerbung zu stellen, aber die bereits eingeführten präventiven Maßnahmen der Stadt weiterhin fortzuführen.

Der Bericht und das Protokoll der Sitzung des Arbeitskreises „Sicherheit in Baunatal“ vom 01.06.2023 kann von jedermann im Ratsinformationssystem https://rim.ekom21.de/baunatal/ nachgelesen werden.

Interessant ist auch die Aussage der Polizei zur Polizeilichen-Kriminalstatistik des Polizeipräsidiums Nordhessen 2022. Die grundsätzliche Frage „Ist Baunatal eine sichere Stadt?“ wurde laut Protokoll mit einem eindeutigen „Ja“ seitens der Polizei beantwortet. Baunatal sei eine sichere Stadt mit guten Strukturen und guter Präventionsarbeit.

Zu dieser Prävention gehört vor allem das Aufsuchen der städtischen Streetworker von Treffpunkten der Jugendlichen. Die Streetworker versuchen im persönlichen Gespräch und im Aufbau von Beziehungen, sowie verschiedenen Angeboten, den Problemen entgegenzuwirken. Diese bei knapper werdenden Mitteln aufrecht zu erhalten, war der Stadt wichtiger, als die Gelder in einem KOMPASS-Siegel zu versenken.

Mit einzelnen Straftaten Politik zu machen, wäre angesichts der traumatischen Erlebnisse der Opfer schäbig. Dennoch sei die Frage erlaubt, welche Straftaten durch ein KOMPASS-Siegel allein verhindert würden.