
Karsten Hellmuth (Mitte) zu Gast beim Ortsvereinsvorstand
Die Stadt Baunatal hat wegen der in den letzten zehn Jahren wesentlich veränderten Haushaltssituation neben anderen Einsparungen auch Kürzungen der Sportförderung vorgesehen. Mit den Spitzen der Sportvereine wurden erste Gespräche geführt und der Sozialausschuss hat ein erstes Modell der künftigen Sportförderung skizziert. Grund genug, mit dem Vorsitzenden des GSV Eintracht Baunatal ein Gespräch zu führen, bevor im Sportausschuss die Bedingungen konkretisiert werden. Karsten Hellmuth kam auf Einladung des SPD-Ortsvereins Großenritte in die letzte Vorstandssitzung, um die Sichtweise des örtlichen Vereinssports (GSV Eintracht Baunatal und Großenritter Carnevals Gesellschaft) zu schildern.
Erfreut nahm der SPD-Ortsverein zur Kenntnis, dass der Vereinssport durch Corona zwar gelitten, sich aber wieder davon erholt hatte und auch die Entwicklung der Mitgliederzahl zufriedenstellend war. Einzig die Theatergruppe sieht in eine ungewisse Zukunft, die aber nichts mit Corona zu tun hat, sondern mit der Kulturhalle, die schon seit Jahren keine größeren Veranstaltungen mehr erlaubt und auch nach der teilweisen Sanierung nicht mehr die gleiche Zahl von Zuschauern zulassen wird, die früher die Vorstellungen der Laien-Schauspieler verfolgen konnten. Schauspieler leben für öffentliche Auftritte und brauchen klare Perspektiven für die Zukunft.
Der Rollsport, der früher in höherklassigen Ligen mitwirken konnte, war in dem ehemaligen Tennis-Leistungszentrum untergebracht. Seit dessen Verkauf und späteren Umwandlung in ein Fitness-Center ist diese Abteilung ‚heimatlos‘ und musste sich mangels anderer Trainings- und Ligabetriebs-Möglichkeiten auflösen.
Die übrigen Sportarten haben massiven Zuspruch bei den Jugendgruppen, weshalb es inzwischen für sie an Sportstätten mangelt. Die Senioren-Gruppen haben keinen nennenswerten Mitgliederschwund erleiden müssen. „Großenritter sind treu!“, kommentierte Karsten Hellmuth.
In Sachen Sportbedingungen wurden viele Themen unvoreingenommen angesprochen. Da neben den sinkenden Steuereinnahmen auch große Preissteigerungen bei Energieverbrauch zu beachten sind, halten alle Gesprächsteilnehmer das Energiesparen als zwingende Voraussetzung an. Dabei gibt es Möglichkeiten, die schnell umzusetzen sind, wie der sparsame Umgang mit Warmwasser beim Duschen und die auf den notwendigen Zeitraum reduzierte Verwendung der Flutlichtanlagen. Hierbei ist aber zu beachten, dass zur Unfallverhütung eine ausreichende Beleuchtung auch nach dem Trainingsende notwendig ist und man in Großenritte das Flutlicht in dieser Zeit durch -derzeit nicht vorhandene- Alternativbeleuchtung der Wege sicherstellen könnte und Sparpotenzial hätte.
Eine stärkere Konzentration auf Inklusionssport, wie ihn der Sozialausschuss in den Vordergrund stellen will, benachteiligt die meisten Ortsteile, nicht etwa, weil sie diesen nicht anbieten wollen, sondern weil ihnen die baulichen Voraussetzungen fehlen. Menschen mit Beeinträchtigungen sind bereits heute höchst willkommen und werden mit offenen Armen aufgenommen. Doch die Sportstätten sind in den wenigsten Fällen behindertengerecht und barrierefrei. Wie der SPD-Ortsverein hält Karsten Hellmuth eine gelebte Inklusion für erstrebenswert, doch ohne barrierefreie Einrichtungen würde eine darauf ausgerichtete Sportförderung zu Ungerechtigkeiten führen.
Besser sei eine pauschale Förderung pro Mitglied, gern auch mit höherer Berücksichtigung von Kindern und Jugendlichen. Um Anreize zum Energiesparen zu schaffen, könnte man die langjährigen Durchschnittswerte ermitteln und diese als Basislinie in die Sportförderung einrechnen. Ausgehend von diesen Zahlen ließe sich eine Bonus-/Malus-Regelung denken: Wenn der Verbrauch sinkt, könnten die Einsparungen den Sportvereinen zugutekommen. Wenn er ohne zwingenden Grund steigt, müssten die Sportvereine für die Mehrkosten direkt aufkommen.
Da die aktuelle Sportförderung im Wesentlichen schon auf die Mitgliederzahlen aufsetzt, hält Karsten Hellmuth eine pauschale Kürzung, wenn sie unumgänglich sei, um einen noch zu ermittelnden Prozentsatz für gerecht und sinnvoll. Es würde dann den Vereinen selbst obliegen, die gekürzten Mittel innerhalb ihrer Zuständigkeit sinnvoll und gerecht zu verteilen.
Karsten Hellmuth fand beim SPD-Ortsvereinsvorstand, dem alle Großenritter Stadtverordneten angehören, Verständnis und Zustimmung für seine Überlegungen. Mit dem Dank für die interessanten Einblicke dankte Ortsvereinsvorsitzender Robert Szeltner dem GSV-Vorstand und bekundete, dass er mit einem klareren Bild in die Sitzung der Sportkommission gehen würde als zuvor.