Spaziergang durch 100 Jahre Geschichte in Großenritte

Veröffentlicht am 08.10.2023 in Allgemein

Bildervortrag_ gut besucht und kurzweilig

Reiner Heine, Mitglied des SPD-Ortsvereinsvorstandes und Stadtverordnetenvorsteher, widmet seine wenige freie Zeit der Erforschung der Großenritter Geschichte. Er taucht tief in die Archive der Kasseler Tageszeitungen ein, die in die Hessisch-Niedersächsische Allgemeine aufgegangen sind. Einige Jahrzehnte archivierter Tageszeitungen hat er durchforscht und dabei so manche interessante, amüsante und aufschlussreiche Information zusammengetragen. Gäste des SPD-Kaffeeklatsch hat er an diesen Funden teilhaben lassen und in einem lebhaften Bildvortrag an Einblicken in das Großenritte von früher teilhaben lassen.

Dabei führte er gedanklich auf einem am Eco-Pfad „Kulturgeschichte Großenritte“ durch das mit Abstand größte und mit fast 1.250 Jahren älteste Dorf im Tal von Leisel, Lützel und Bauna. Der Weg führte nach einem Überblick über die Entwicklung von Großenritte in den letzten 100 Jahren an konkrete Orte, die jeder Großenritter kennt: Den Bahnhof Großenritte, der als Passagierbahnhof der Kleinbahn Kassel-Naumburg die Verbindungen nach Elgershausen, Hoof, Sand, Nordshausen und Kassel-Wilhelmshöhe war. Dort hatte man dann Anschluss an weiterführende Verbindungen. Doch auch dem Warenumschlag diente dieser Bahnhof, denn in unmittelbarer Nähe, denn Zuckerrüben, Schotter aus dem Steinbruch und viele gewerbliche Waren wurden hier verladen und dem Zug zu den Empfängern auf den Weg gebracht.

Die nächste gedankliche Station ist der Hünstein, ein Menhir-Stein, den nach Sagen ein Riese vom Hirzstein auf die Kirchbaunaer Kirche werfen wollte, ihn aber nur noch bis hinter Großenritte schleudern konnten. Interessanterweise kann man an dem Stein Einkerbungen sehen, die exakt den Abdrücken von Fingern entsprechen. Dieser Stein war lange Zeit vergraben gewesen, da er den Bauern beim Bestellen seines Feldes behinderte. August Bohley hat ihn später lokalisiert und ausgraben lassen. Inzwischen hat er einen neuen Standort, ein gutes Stück von seiner ursprünglichen Position in der Nähe eines nach ihm benannten Kindergartens gefunden.

Mit Erstaunen wurden Bilder aus der Großenritter Kreuzkirche aufgenommen, die früher nicht die nüchtern-sachliche Ausstattung hatte, sondern viele Ornamente, Stuckarbeiten und Farben vorwies. Über der derzeitigen Empore gab es noch eine dritte Galerie, auf der die Konfirmandinnen und Konfirmanden dem Gottesdienst beiwohnten und dabei -wie Zeitzeugen sich erinnerten- Vorteile für sich daraus zogen, dass sie nicht wie heute im direkten Blickfeld des Pfarrers waren. Mit Heines Hilfe konnten die Gäste den Ablauf der Amtsinhaber der Großenritter Pfarrerstelle von Pfarrer Rose bis heute vervollständigen. Besonders die Pfarrer Rose und Kraushaar hatten diese Stelle lange Jahre inne.

Im Westen wurde den Sportvereinen von der Gemeinde ein abschüssiges Gelände zur Verfügung gestellt, welches in tausenden freiwilligen Arbeitsstunden zum Teil abgetragen, zum Teil aufgeschüttet wurden, bis darauf die Langenberg-Kampfbahn mit dem ersten nordhessischen Umkleidehäuschen den Rasen-Sportlern Komfort boten und auch für Rad- und Motorradrennen genutzt wurde. Auf vielen bis zu 100 Jahre alten Fotos erkannten Besucher ihre Eltern und Großeltern wieder.

Der Burgberg war und ist ein Steinkegel mit einem besonders qualitativen Basaltgestein, der industriell zu hochwertigem Schotter verarbeitet wurde und heute über weite Teile Deutschlands verstreut liegt. Aktuell ist die Ostflanke wieder mit Bauschutt verfüllt und kaum etwas erinnert noch an diesen Steinbruch.

Das Gertrudenstift ist heute noch vorhanden, haben aber kaum noch etwas mit den Bildern gemein, die Reiner Heine zeigen konnte. Ursprünglich war es ein Jagdschlösschen mit einem angegliederten Gutshof, der von den Nonnen selbst bewirtschaftet wurde. Heute ist es ein moderner Alten- und Pflegebetrieb moderner Prägung.

Nicht weit vom Gertrudenstift lag der Heiligenborn, von dem heute nichts mehr zu sehen ist und an den nur noch der Name von Flurstücken und Straßen erinnert. Der Heiligenborn war eine Quelle mit einem sehr reinen und hochwertigen Quellwasser, welches sogar auf Flaschen gezogen und als Heilwasser verkauft wurde. Heute ist die Quelle gefasst und die ehemals kurparkähnliche Gestaltung verschwunden.

Ein Stückchen weiter erinnert die Pfaff-Eiche an das fünfzigjährige Dienstjubiläum eines einheimischen Försters. Sein Enkel war unter den Teilnehmern des Kaffeeklatsches und wusste Informationen aus erster Hand beizusteuern. Auch der Nachfolger des Försters übte seine Tätigkeit über Jahrzehnte aus. Zu seiner Ehrung wurde eine Linde gepflanzt.

Wer den Vortrag verpasst hat, kann sich einen Teil der Informationen aus einem Flyer des Eco-Pfades aus dem Internet herunterladen. https://eco-pfade.de/fileadmin/eco_pfad_grossenritte/Flyer_Eco_Pfad_Grossenritte.pdf.

Je nachdem wusste er Anekdoten oder interessante Details beizusteuern. An einige der vorgestellten Ereignisse konnten sich Besucher des Kaffeeklatsches sogar noch selbst erinnern.

Reiner Heine versprach, seine Reihe mit Bildern aus dem alten Großenritte im kommenden Jahr fortzusetzen. Wir freuen uns schon jetzt darauf!